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Alamo    -   Die Geburt von Texas

 

 

 

Die große Armee der Mexikaner kam gegen Mittag: Am 23.Februar 1836 um 2 Uhr nachmittags marschierte sie in San Antonio ein. Der harte Rhythmus des Marschtritts der Infanteriekolonnen, das Stampfen der Kavalleriepferde und der Zugtiere der Feldartillerie war schon lange zu hören gewesen und hatte die Bewohner in die Keller ihrer Häuser getrieben - sofern sie nicht längst mit Wagen und Handkarren geflüchtet waren oder sich in die befestigte Mission Alamo zurückgezogen hatten, in der sich Teile der provisorischen texanischen Armee verschanzt hatten. Gegen Abend hatten die Mexikaner den Alamo eingeschlossen. General Lopez de Santa Anna hatte seine leichten Feldstücke und Haubitzen nördlich, südlich und östlich des Alamo in Stellung gebracht und begann ein zermürbendes Bombardement auf die wuchtigen Mauern, fest entschlossen, sie einzunehmen und die Rebellion der Texaner hier, genau hier zu brechen.

 

- Das Gebiet des heutigen Texas war bereits im 17.Jahrhunder von Spanien besiedelt worden: Mönche, Handwerker, Rancheros und ausgemusterte Soldaten bildeten kleine, wenig bedeutende Niederlassungen, auch entlang des San Antonio River. Die Missionen wurden in Form einer kleinen Befestigungsanlage um die Kirche als religiöses und soziales Zentrum herum gebaut und sollten die spanische Oberherrschaft durch "Bekehrung" der Coahuiltec-Indianer sicherstellen. Von 1745 bis 1775 blühten die Missionen, auch weil sie die Indianer als billige Arbeitskräfte nutzten. Um 1718 entstand die Mission San Antonio. Das benachbarte Presidio wurde mit 45 Soldaten besetzt. 1750 gab es in Texas 14 Missionen, 7 Presidios und 2 zivile Siedlungen, insgesamt etwa 1200 Bewohner, von denen ein Mönch schrieb: "In den Presidios von Texas sind nur die übelst gesonnenen Spanier und Mischlinge zu finden, die hier eine Zufluchtsstätte suchen, um nicht arbeiten zu müssen oder aus noch schlimmeren Gründen." Im Verlauf des 18.Jahrhunderts wurden aus den Missionen zivile Siedlungen. 1795 wurde die von San Antonio säkularisiert. Anfang des 19. Jahrhunderts zogen sich die Mönche zurück, denn dauerhaft konnten sie sich nicht den Apachen- und Comanchenüberfällen erwehren.

- 1821 rebellierten Teile der Armee, der Kirche und der unterjochten Landbevölkerung gegen die spanische Herrschaft und gründeten die Republik Mexico. Zu dieser Zeit gab es in Texas etwa 6000 Bewohner, die Hälfte davon lebte in San Antonio.Im selben Jahr traf der Jurist, Landmakler und Politiker Stephen Fuller Austin in San Antonio ein, in der Tasche einen Kolonisationsvertrag. Es sollten jedoch noch zwei Jahre vergehen, bis das von inneren Unruhen geschüttelte Mexiko ihn als “Empressario” anerkannte, der Anrecht auf ein großes Landgebiet hatte, sofern er in einer bestimmten Frist eine bestimmte Anzahl Kolonisten ansiedelte. 1823 enstand auf dem Nordufer des Rio Brazos die Siedlung San Felipe de Austin. Zwischen den Flüssen Brazos, Bernard und Colorado ließen sich die ersten 300 amerikanischen Familien nieder. Innerhalb von 12 Jahren wuchs ihre Zahl auf fast 30000 Menschen, die mit zunehmendem Selbstbewußtsein auftraten. Die Mexikaner waren in Texas längst zur Minderheit geworden. Die Provinzverwaltung in Coahuila und die ihr untergeordneten Alcades in den kleinen Gemeinden versuchten mit restriktiven Gesetzen ihre Herrschaft zu sichern - aber die Macht entglitt ihnen zunehmend. In den amerikanischen Siedlungen gewann ein Menschenschlag an Stärke, dem die Mexikaner immer weniger gewachsen waren: Ein hartes Geschlecht von typischen "Grenzern"; ausdauernd und kaltherzig genug, der gnadenlosen Wildnis standzuhalten und sie zu überwinden. Dazu von einer natürlichen Aggressivität, die jeder zu spüren bekam, der ihnen zu nahe rückte. Sie folgten ihren eigenen Regeln, widersetzten sich der mexikanischen Staatsreligion, der katholischen Kirche, wehrten sich gegen Steuern und mißachteten zunehmend die mexikanischen Gesetze.

 

 

 

 

 

Austin hatte jahrelang zu vermitteln gesucht. Die Gegensätze verschärften sich jedoch von Jahr zu Jahr. 1834 wurde Austin wegen Hochverrats verhaftet. Als er im Juni 1835 nach Texas zurückkehrte, waren die Weichen zur offenen Rebellion gestellt.

- Am 11. Oktober bildete sich eine texanische Ratsversammlung. Überall schlossen sich Milizen zusammen, die aus dem Gebiet der Vereinigten Staaten mit Geld und Waffenlieferungen unterstützt wurden. Die kleinen mexikanischen Garnisonen wurden mühelos geräumt. Im Dezember 1835 übernahmen die Texaner die Herrschaft über San Antonio. Die Ratsversammlung ernannte Samuel Houston zum Oberkommandierenden einer texanischen Armee, die aus den bestehenden Milizen geformt werden sollte.

 

 

- Im Januar 1836 holte Mexiko zum Gegenschlag aus: General Lopez de Santa Anna, zugleich Staatspräsident von Mexiko, setzte sich persönlich an die Spitze einer mächtigen Armee, um die unbotmäßigen Texaner zu unterwerfen. Er hatte in diesem Fall sein ganzes Prestige in die Waagschale geworfen: Zum einen wollte er die Texas-Revolte zur alles entscheidenden nationalen Frage erheben, um sein von ständigem sozialen Aufruhr geschütteltes Land auf diese Weise zu befrieden und zum anderen ging es ihm um eine Machtdemonstration gegenüber den Vereinigten Staaten, die immer begehrlicher den westlichen Gebieten zustrebten, die sich fast samt und sonders - zumindest nominell - in mexikanischem Besitz befanden. Texas - das war ein Stellvertreterkrieg, der jeden warnen sollte, die mexikanische Position anzugreifen. San Antonio wurde zum Kristallisierungspunkt texanischen Widerstandes: In der ehemals wichtigsten Ansiedlung der Mexikaner konzentrierten sich die besten Milizen der Texaner. Viele von ihnen waren erst in den letzten Wochen über die Grenze ins Land geritten, um sich den Rebellen anzuschließen.

 

     

- Darunter der legendäre ehemalige Waldläufer und Parlamentsabgeordnete aus Tennessee Davy Crockett und der Minenbesitzer und Landspekulant James Bowie - Namensgeber des Bowie - Messers, der zum Milizkommandanten von San Antonio gewählt worden war.

 

- Das Kommando in der Missionsstation Alamo führte William B. Travis, ein Rechtsanwalt und Politiker aus South Carolina, den die "provisorische Regierung" von Texas zum Lieutnant Colonel ihrer zu schaffenden Kavallerie ernannt hatte.

 

Die Invasionsarmee Santa Annas hatte eine Gesamtstärke von 6000 Mann. Davon überschritten im Februar 1836 4000 unter Befehl des Staatspräsidenten den Rio Grande in Richtung San Antonio. Sie hatten Befehl, mit aller Härte vorzugehen. Als sie den Alamo einschlossen, befanden sich 156 Mann in der Mission. Trotz eines sofort einsetzenden Artillerieduells, war der Belagerungsring in den ersten Tagen nicht besonders dicht, so daß mehrere Kuriere den Alamo verlassen und erreichen konnten.  

 

               

                                                                                        

Noch in der Nacht des 1. März 1836 durchstießen 32 Freiwillige aus Gonzales die mexikanischen Linien und verstärkten die Mission. - sie sollten sie nie wieder verlassen.. Die Besatzung betrug jetzt 188 Mann, davon waren elf durch Krankheit oder Verwundung kampfunfähig.

 

Der Alamo war einst Fluchtburg bei Indianerüberfällen für die spanischen und mexikanischen Siedler in der Nachbarschaft San Antonios entstanden. Ein Mauerwerk von 1,8 bis 2,4 m Höhe und 70 cm Dicke umschloß eine Fläche von schätzungsweise 10.000 m². Es gab einige aus Steinen gemauerte Unterkünfte.

1757 war zusätzlich eine Kapelle errichtet worden. Hinter den großen Fenstern hatte die Besatzung Plattformen installiert, auf denen einige Geschütze standen. Mexikanische Berichte sprechen von 21 Kanonen, andere lediglich von 14 - wie auch immer: weder mannschafts- noch ausrüstungsmäßig waren die Texaner den Belagerern gewachsen.

 

 

      

 

 

Schon bald wurde den Männern im Alamo bewußt, daß nur ein Wunder sie retten konnte. Pausenloses Geschützfeuer zermürbte sie nicht. Tag und Nacht standen sie hinter den Schießscharten und wiesen die Angriffe der Mexikaner ab, in denen die Blüte von Santa Annas Armee verheizt wurde. In einem der letzten Briefe, die den Alamo verließen, schrieb Colonel Travis:

 

   

 

“Mit 145 Mann habe ich diesen Platz 10 Tage gegen eine Streitmacht, die zwischen 1500 und 6000 Mann geschätzt wird, gehalten; ich werde ihn weiter halten, bis ich Hilfe durch meine Landsleute bekomme. Andernfalls werde ich hier untergehen. Wir haben einen Regen von Bomben und Kanonkugeln, der die ganze Zeit über auf uns niederging. Keiner von uns ist gefallen. Wir sind wunderbarerweise bis jetzt verschont geblieben.”  Alamo, 3. März 1836


    

 

Am 6. März um 3 Uhr am Nachmittag gab Santa Anna, nach elf Tagen erfolgloser Belagerung, Befehl zum Großangriff. Die ersten Kampflinien stürmten in ein verheerendes Feuer der Texaner, die wußten, daß sie ihr letztes Gefecht kämpften. Bald bedeckten Tote und Verwundete die Ebene vor der Mission, in der es überall brannte, deren Mauern unter dem ständigen Artilleriehämmern längst durchbrochen waren.

 

  

Das Poluca-Batallion, 800 Mann stark, rannte dreimal gegen die Mauern des Alamo an. In das Krachen der Granaten, das Knattern des Musketenfeuers, das Schreien der Verwundeten und Donnern der Pferdehufe der Kavallerie mischte sich die Musik der Regimentskapellen. Die Wolke von Pulverdampf und Feuerrauch, die sich über dem Alamo erhob, war meilenweit zu sehen.

 

Dann drangen die ersten mexikanischen Truppen durch Lücken im Mauerwerk. Im Hof des Alamo wurde weitergekämpft. Jeder Fußbreit Boden wurde hier mit Blut getränkt. Um jedes Quartiergebäude, um jeden Schuppen entspann sich ein erbittertes Gefecht. Ging den Verteidigern die Munition aus, wurde mit Messern und Äxten weitergekämpft. Gefangene wurden nicht gemacht, geschont wurde niemand.

 

Davy Crokett hatte sich mit einigen Getreuen in einer Baracke nahe am Tor verschanzt. Am Ende kämpfte er hier ganz allein, bis er tödlich getroffen wurde. Jim Bowie, an einer Lungenentzündung erkrankt und verletzt, kämpfte mit Pistole und Messer von seinem Krankenlager aus, bis er von Bajonetten und Kugeln durchbohrt wurde. Die Leiche von Colonel Travis wurde zwischen der nördlichen Batterie gefunden. Die Besatzung hatte bis zum letzten Mann gefochten. Nur der Negerdiener von Travis, drei Frauen und zwei Kinder überlebten.

 

Santa Anna hatte im Kampf mit der kleinen Schar Texaner 1600 seiner besten Soldaten verloren, und, was noch wichtiger war, die Moral seiner Armee war zerbrochen. Der verzweifelte, durch nichts zu erschütternde Widerstandswille hatte die Motivierung der mexikanischen Armee, die mit dem Bewußtsein, leichtes Spiel zu haben, in Texas eingerückt war, bis ins Mark getroffen.

 

In blindwütigem Zorn ließ Santa Anna die toten Verteidiger des Alamo aufschichten, mit Holz bedecken und verbrennen. “Niemand”, so sagte er, “soll später die Gräber der Helden des Alamo finden!”

 

 

Er wollte verhindern, daß sich am Gedenken an diese Männer nach Zerschlagung des Aufstandes der Texaner ein neuer Widerstandsgeist entwickeln konnte. Doch in Wahrheit hatte er mit dem Massaker im Alamo den Krieg schon verloren. Die Männer, deren Leiber zu Asche verbrannten, sollten in der Geschichte von Texas unvergänglich werden. Die Nachricht vom Opfergang der Männer im Alamo eilte der weitermarschierenden Armee Santa Annas voraus. Unter Führung von Sam Houston und mit dem Schlachtruf “Remember the Alamo!” (Rache für Alamo!) schlug die texanische Milizarmee am 21. April 1836 am San Jacinto die Mexikaner in die Flucht und nahm Santa Anna gefangen, der die texanische Unabhängigkeit anerkannte.

 

 

Es waren die Männer im Alamo gewesen, die die emotionelle Basis für die Gründung der Republik Texas geschaffen und die Voraussetzungen für deren Erfolg errungen hatten. Dabei hatten sie selbst davon garnichts gewußt. Die Nachricht, daß das texanische Parlament am 2. März die Republik ausgerufen hatte, war nicht mehr in den Alamo gedrungen. Die Kämpfer hier waren nicht unter dem Banner mit dem “Lone Star”, sondern unter der Bundesflagge von 1824 gestorben.

 

 

Unterstützung durch Bilder mit freundlicher Genehmigung von DWJ

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